Martin Neumann's Blog

Dienstag, 17.Mai 2016
von Martin Neumann
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Tagebuch eines Erfinders – der lange Weg zurück

Als ich es endlich geschafft hatte, universe2go nach 2 langen Jahren sehr, sehr harter Arbeit endlich auf den Markt zu bringen habe ich wirklich ganz fest daran geglaubt, endlich aus Ziel gekommen zu sein. Es “geschafft” zu haben. Das war vor 18 Monaten.

Ich bin immer noch sehr glücklich darüber, aber auch ernüchtert. Keine Pauken und Trompeten, kein Haleluja, kein großes Schulterklopfen, kein “jetzt mal die Füße hochlegen”. Stattdessen immer wieder neue Aufgaben, die bewältigt werden wollen. Produktionsprobleme, Verbesserungen, Finanzierungs-Kredite zurückzahlen (tatsächlich zahle ich diesen Monat die letzte Rate…).

Ich habe etwas wichtiges gelernt: Erfolgreich zu sein ist Einstellungssache. Nein, jetzt nicht, was Du vielleicht denkst: “Glaube nur ganz fest an dich und deinen Erfolg, dann wird er schon kommen.” Das ist zwar nett als Aufputscher-Slogan für die Ameriko-philen unter uns (mich eingeschlossen ;-) , aber ziemlich irrelevant.

Ich meine: Ab wann bist Du erfolgreich mit einer Sache? Nehmen wir zum Beispiel universe2go (wie komme ich nur gerade da drauf?)

Bist Du erfolgreich, 

…wenn Du die Idee das erste Mal ausprobierst und sie funktioniert? 

… wenn Du den ersten Prototypen gebaut hast?

… wenn Du es erfolgreich beim Patentamt eingereicht hast?

… wenn Du einen Produktionspartner gefunden hast?

… wenn Du eine erfolreiche Crowd-Funding Kampagne gemacht hast?

… wenn Du einen Vertriebspartner gefunden hast?

… wenn Du die Finanzmittel für die Entwicklung und Produktion aufgebracht hast?

… wenn die erste Produktion läuft?

… wenn das erste Gerät verkauft wurde?

… wenn es gute Kritiken bei Bloggern und von Zeitschriften bekommt?

… wenn Du genug Geräte verkauft hast, um die externen Ausgaben für die Entwicklung zu decken? (Sprich, dass Du das erste Mal aus dem Minus rauskommst…)

… wenn Du genug Geräte verkauft hast, damit deine investierte Arbeitszeit damit entlohnt wird? (Wochenende und Nachtarbeit nicht mitgerechnet)

… wenn Du genug Geräte verkauft hast, um das Geschäftrisiko zu kompensieren? (über 90% aller Startups scheitern)

… wenn Du genug Geräte verkauft hast, um die Opportunitätskosten zu kompensieren? (Du hättest in dieser Zeit ja auch was sinnvolles – äh wollte sagen – was lukratives ;-) – tun können)

… wenn Du genug Gerät verkauft hast, dass es auch ökonomisch betrachtet als erfolgreich gelten kann?

… wenn Du deinen Lebensunterhalt davon bestreiten kannst?

… wenn Du reich damit wirst?

… wenn deine Mama stolz auf dich ist?

So viele Aspekte und jeder davon hat einen legitimen Anspruch darauf als “Erfolgsdefinition” oder “Meilenstein” zu gelten. Und eine Flasche Schampus darüber zu öffnen – aber keine Angst, habe nicht bei jedem eine aufgemacht, aber noch ein paar kalt stehen  ;-)

Das hat der Erfolg mit der Dankbarkeit gemeinsam: Erfolg ist das, was Du in dir spürst. Spürst Du ihn nicht, nützt er dir nicht. Kann dir sogar schaden, wenn Du dich vom Erfolg im Außen abhängig machst.

Ich wollte schon als kleiner Junge gerne Erfinder sein. Hatte mich verlaufen und es war ein weiter Weg zurück. Er hat sich gelohnt.


Erfinder

Donnerstag, 24.Dezember 2015
von Martin Neumann
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Frohe Weihnachten

Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern des morgenraums ein wunderschönes Weihnachtsfest mit einem friedvollen Lächeln im Gesicht. Lasst euch reich beschenken, oder noch besser: beschenkt andere reich. Atmet ein und atmet aus. Aber nicht so hektisch und nebenbei wie sonst immer. Atmet ein und spürt, dass ihr einatmet. Atmet aus und spürt, dass ihr ausatmet. Und das bitte nicht nur, weil euer Gürtel nach der Völlerei so eng sitzt und den Bauch einklemmt.

Lebe. Tue es. Und tue es oft.

Liebe & Licht

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Mittwoch, 16.Dezember 2015
von Martin Neumann
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It’s not the speed that kills you…

…it’s the sudden stop.

Am Sonntag Abend kam ich zu einer Unfallstelle. Ich war selbst nicht Zeuge des Hergangs, aber er hatte sich ungefähr 30 Sekunden vor meinem Eintreffen ereignet. Zwei Autos waren auf einer Schnellstraße frontal zusammen gestoßen. Zwei Wagen vor mir hielten mit angeschaltetem Warnblinker. Ich stieg aus und ging zur Unfallstelle. Vielleicht könnte ich helfen. Ein Mann und eine Frau stiegen aus dem einen Auto und konnten beide noch humpelnd gehen, unterstützt von anderen Menschen. Die Frau war bleich und stand unter Schock. Ich holte eine Isomatte aus meinem Auto so das wir sie hinlegen konnten. Ich hielt ihre Hand und sie klammerte sich an meine. Eine andere Frau hielt ihre Hand und wir beruhigten sie. Es tat ihr offensichtlich gut, dass wir da waren.

Ich sah, dass fünf weitere Helfer versuchten, die Fahrertür des anderen Wagens zu öffnen. Mit zunehmender Gewalt aber vergeblich. Ein Babysitz fiel aus dem Auto auf die Straße. Er war leer. Ich ging hin um zu helfen, sofern dies möglich war. Es bedurfte einer inneren Anstrengung dort hinzugehen. In dem Wagen saß ein junger Mann. Er war eingequetscht zwischen Konsole und Sitz. Sein Kopf hing leblos zur Seite. Auf eine eigenartige Weise wirkte es friedlich so als schliefe er. Ich betete für ihn, für seine Familie, für uns. Der erste Rettungswagen traf ein. Ich winkte ihn heran. Da ich an dieser Stelle nichts mehr tun könnte ging ich zurück zur Frau. In kurzer Folge trafen immer mehr Rettingskräfte ein. Die Szene verwandelt sich und hatte plötzlich etwas Kirmesartig hektisches. Zwei Retter diskutierten kurz darüber wer welche Person mitnimmt. Die Frau lag derweil alleine am Boden auf einer Bahre. Sie fing an zu zittern. Wie wichtig es doch ist, ihre Hand zu halten, dachte ich, doch dann wurde sie bereits angehoben und in einen der Rettungswagen gebracht. Auch nach nun mehr als 20 Minuten seit dem Unfall versuchte die Feuerwehr weiterhin den Mann aus dem Auto zu befreien. Ich verließ den Ort.

Es ist nicht nicht das erste Mal, dass ich an eine Unfallstelle gekommen bin. Aber das erste Mal, dass ich einen Unfalltoten gesehen habe. Der Tod trifft mich. Er macht mir klar, dass es jeden Moment vorbei sein kann. Wir können die Augen wieder woanders hin richten und weiter machen. Und genau das ist es, was wir tun müssen. Weiter gehen. Im Gewahrsein, wie wichtig es ist aufzuwachen. Aufzuwachen, bevor wir endgültig den letzten Schlaf beginnen. 

Liebe & Licht

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Mittwoch, 9.Dezember 2015
von Martin Neumann
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I´ll be back

  Ich werde zurück kehren hatte ich letztes Jahr geschrieben. Zurück kehren in meinen “normalen” Arbeits- und Lebensrythmus, zu dem der morgenraum gehört. Hätte niemals gedacht, dass dies so schwer sein würde!

Zum ersten ist das dieses Projekt namens universe2go. Mein Erfinder-Baby. Es hat dieses Jahr weit mehr Aufmerksamkeit bedurft, als ich dachte. Viel, viel, Arbeit… 

Zum zweiten ist da dieses Kind namens Jonathan. Er hat dieses Jahr ebenfalls viel Aufmerksamkeit eingefordert und Spielzeit bedurft. Erwartungsgemäß :-)

Ich hatte aufgrund der vielen Stunden am Computer eine gefrorene Schulter (dazu in einem anderen Beitrag mehr), hatte diverse Produktionsprobleme, war im finanziellen Tiefststand der letzten 20 Jahre angekommen, habe seit 5 Jahren keinen längeren (> 5 Tage) Urlaub mehr gemacht und daher das permanente Gefühl, eine Auszeit super-nötig und auch verdient zu haben. Aber woher die Zeit dafür nehmen, wenn nicht stehlen ? Bin 50 geworden und hatte nicht mal die Zeit und die Energie dies zu feiern.

Nun sehe ich Licht am Ende des Tunnels. Eine Halluzination? Scherz beiseite – die Situation hat sich merklich entspannt. Ich habe eine halbe Professur vertretungsweise angetreten, mit einer anderen Hälfte bleibe ich Erfinder-Untenehmer (bin ich der erste mit dieser Kombi? denn die Krankenversicherung hatte ihre arge Not damit, mich einzusortieren…). universe2go wächst und gedeiht. Jonathan wird jeden Tag älter. Ich finde wieder die Zeit für schöne Gespräche mit Freunden. Der Corsica-Urlaub für nächstes Jahr ist gebucht. Ich hoffe Nordlichter im März sehen zu dürfen. Und demnächst feiere ich mit meinem Freund Tom unseren 100.ten. 

Dieses Jahr war dennoch schön und äußerst wertvoll für mich. Es hat mich herausgefordert und mich gelehrt, wie wichtig es ist, auf mich zu achten. Das ist übrigens sehr, sehr wichtig für mich. Dabei haben mir liebe Menschen geholfen, und auch einige der Methoden, die ich im morgenraum beschrieben habe. Ohne dieses wäre ich sicher nun eines der vielen Burn-out-Opfer unserer Zeit geworden. Der Glaube daran, etwas sinnvolles zu tun, hat mich diese Zeit unbeschadet überstehen lassen. Und nicht nur das – ich fühle mich stärker und gleichzeitig viel weicher, im Sinne von Mitgefühl und Verstehen, als je zuvor.

Ironie? Letztes Jahr dachte ich, nachdem universe2go in der ersten Version auf dem Markt kam, das Wesentliche sei geschafft und nun bräche die Zeit der Entspannung an. Doch das Universum hat seine eigene Dynamik. Das Leben ist wie Seilchenspringen, auf und ab, auf und ab. Das Entscheidende ist, dass Du das auf genießt und dich beim Ab auf den bevorstehenden Sprung konzentrierst. Und vor allem, dass Du daran glaubst, dass es wirklich so ist: Auf und Ab, Auf und Ab. Der letzte Beitrag im morgenraum hieß Sonnenuntergang. Aber nach jeder Nacht, geht die Sonne wieder auf. 

No Doubt, I´ll be back

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Sonntag, 20.September 2015
von Sunshine
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Sonnenuntergang …

Sonnenuntergänge können ja so richtig schön kitschig sein. Da werden wir doch gerne an Postkartenmotive erinnert und vieles mehr. Ich kann mich noch gut an einen Urlaub mit meiner Mutter in Dänemark erinnern, wo wir an einem Sommerabend eine Sonnenfinsternis erleben durften. Der Mond schob sich vor die untergehende Sonne. Das war ein grandioses Schauspiel Alle Menschen am Strand waren ganz still und ruhig, so als ob die Erde gleich untergehen würde und wir noch einmal ihre volle Schönheit gezeigt bekommen. Ein Erinnerung daran, wie wertvoll sie ist.

Und so ist auch jeder Tag unseres Lebens auf dieser Erde wertvoll und kostbar. Daran sollten wir uns in Ausnahmesituationen immer wieder erinnern. Mir geht es wieder gut und dafür bin ich sehr dankbar.

Mahatma Ghandi hat einmal sehr schön gesagt:

Wenn ich das Wunder eines Sonnenuntergangs
oder die Schönheit des Mondes bewundere,
weitet sich meine Seele in der
Ehrfurcht vor dem Schöpfer.

Heute an diesem Herbstsonntag möchte ich mich ganz bewusst in Dankbarkeit üben. Vielleicht magst Du ja auch Deinen eigenen Schwerpunkt für diesen Sonntag setzen, z.B. Mitgefühl, Loslassen, Bewusstheit in den Dingen die du tust und vieles mehr. Ganz wissensklar.

Om Shanti. Om Frieden.
Ines :-)

Sonntag, 13.September 2015
von Sunshine
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Heute kein Blogbeitrag …

Manchmal kommen unverhoffte Ereignisse plötzlich. Nachdem mich am Donnerstag heftige Bauchschmerzen lahmgelegt haben, hieß es dann am Freitag erstmal ins Krankenhaus zur Abklärung und Beobachtung.  Am Montag werde ich jetzt nach weiteren Untersuchungen mehr wissen.  Bis dahin heißt es jetzt erstmal annehmen und abwarten. Eine gute Übung für Dankbarkeit, dass ich die Möglichkeit der guten medizinischen Versorgung habe und eine friedvolle Umgebung . Und das wünsche ich auch allen Menschen, die jetzt in unser Land kommen. Das sie einen sicheren Weg in den Frieden und eine gute Versorgung finden.

 

Om Shanti.  Om Frieden.

Ines :-)

 

 

 

 

 

 

 

Sonntag, 6.September 2015
von Sunshine
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Ist es denn schon Herbst? …

So gefühlt dachte ich heute Morgen nach dem Aufstehen, dass es ganz plötzlich über Nacht Herbst geworden ist. Der Wind ist  kühl und frisch und auch der Geruch des Gartens ist anders. Das Licht verändert sich und vieles in der Natur scheint sich auf den inneren Rückzug vorzubereiten. Gestern habe ich schon die ersten gelben Blätter an den Bäumen bemerkt. Letzte Woche in Berlin war das alles noch ganz anders. Das Thermometer kletterte über 30°C,  die Sommerabende waren lau.

Und jetzt das. So völlig unvorbereitet, aus heiterem Himmel.

Während ich gerade meine Tasse Tee genüsslich schlürfe, frage ich mich, wie wir mit Veränderungen umgehen, die uns wie über Nacht ereilen. Sind wir überfordert? Wollen wir uns dieser Situation stellen? Was wenn die Dinge so ganz anders kommen als geplant?

Ich selbst habe für mich gelernt, dass ich versuche Situationen die sich plötzlich einstellen, erst einmal anzunehmen und dann ganz bewusst zu entscheiden, wie es weiter gehen soll. Atmen. Ein/Aus. Danach wird der Kopf klarer. Eine Pause, eine Auszeit. Schweigen. In mich gehen und spüren was da ist und was an das Licht treten möchte.

Und so habe ich es auch heute Morgen gemacht. Ich habe innerlich meine Arme geöffnet und die neue Jahreszeit angenommen. Wunderschöne Bilder aus dem Herbst traten vor mein geistiges Auge und ich freue mich auf diese neue Zeit der Einkehr, da sie wieder anders sein wird als all die Jahre davor oder die die noch kommen werden. Es ist ein stilles, bereicherndes Gefühl.

“Vor weißen Astern
Hält eine Weile inne
Die Blumenschere.”

(Buson)

Mit diesem Haiku wünsche ich die heute einen bewussten und wissensklaren Frühherbsttag. Trauere nicht um den Sommer, sondern freue und öffne dich dem Neuen.

Om Shanti. Om Frieden.
Ines :-)

Sonntag, 30.August 2015
von Sunshine
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Innehalten …

Jetzt sind schon drei Wochen ohne einen Blogbeitrag am Sonntag vergangen. Die Zeit ist einfach voran geschritten und hat mich wieder einmal überholt. Aber jetzt kehrt langsam wieder Ruhe ein und ich habe endlich einmal wieder die Muße mich auf die Dinge zu konzentrieren, die zu meinem Leben gehören. Spannende Entwicklungen bahnen sich ihren Weg. Um so wichtiger, ist es innezuhalten und zu schauen wie ich mich gerade fühle, wie der Weg weiter gehen soll.

Passend hierzu habe ich einen schönen Text von Omraam Mikhael Aivanhov gefunden:

 

Innehalten

Macht es euch zur Gewohnheit mehrmals
am Tag – wo immer ihr seid -
einige Augenblicke innezuhalten,
um euch zu sammeln und so Kontakt mit eurem wahren Ich herzustellen.

Ob ihr zuhause, bei der Arbeit oder sogar
auf der Straße seid,
denkt daran, diese Übung zu machen.
Ihr könnt einige Sekunden vor dem
Schaufenster eines Ladens stehen bleiben
und dort, ohne euch auf etwas zu
konzentrieren, angespannt
oder auf etwas fixiert zu sein, die Augen
schließen und an nichts denken.

In diesem Moment bringen die Seele und
der Geist alles wieder in Ordnung und ihr
fühlt euch beruhigt und gestärkt.

Übt euch darin und ihr werdet verstehen,
wie sehr diese scheinbar unbedeutende
Übung euch helfen kann.

(aus “Gedanken für den Tag”, Prosveta Verlag)

Und so werde ich jetzt die Zeit bis zum Zubettgehen nutzen und noch einmal innehalten und mich bewusst wieder verbinden. Ich schließe die Augen. Und Du?

Om Shanti. Om Frieden.
Ines :-)

Freitag, 7.August 2015
von Martin Neumann
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Und trotzdem losgehen…

Letztens habe ich einen TED-Vortrag von Le Pesce geschaut der in mir unwillkürlich inneren Widerstand auslöste. Aha, da gibt es etwas über mich zu lernen. Worum geht es? Sie sprach über 5 Wege, wie man seine Träume definitiv nicht verwirklichen kann. Sie ist sehr erfolgreich, bekam einen begehrten Studienplatz am MIT, arbeitete für Microsoft und Google und hat zwei erfolgreiche Bücher geschrieben. Und nun will sie jungen Unternehmern helfen, ihren Weg zu machen. Chapeau!

Was habe ich also für ein Problem? Alles was sie in dem Vortrag sagt unterschreibe ich 100%-tig. Und doch…

In unserer Gesellschaft hat der Helden-Mythos (siehe unten) einen subtilen Wandel erfahren. Er lautet heute: “Verfolge deinen Traum, sei entschlossen, arbeite hart, schätze jeden Schritt auf deinem Weg, gib dich nicht mit weniger als dem Besten zufrieden, gehe deinen eigenen Weg…” Das alles findet sich in Pesce’s Vortrag wieder und ist im Prinzip richtig und gut. Doch dann folgt eine Ableitung, die uns so selbstverständlich erscheint, dass wir sie leicht übersehen: ” …und Du wirst erfolgreich sein!” Sie ist doch erfolgreich, oder etwa nicht? Sie hat die Schritte befolgt und ist erfolgreich. Da muss doch ein kausaler Zusammenhang bestehen. Keine Erwähnung von Glück oder von Zufall. Doch diese Geschichte hat einen gewaltigen Haken. Sie ist total unrealistisch und irreführend. Pesce hat mit 17 einen Platz beim MIT bekommen und begründet dies damit, dass sie ja bis zu ihrem 17.ten Lebensjahr hart an sich und ihrem Erfolg gearbeitet hat. Das ist mit Sicherheit so. Aber was ist mit den Millionen! von anderen jungen Menschen weltweit, die dies ebenfalls getan haben und keinen renommierten Startplatz im Karriererennen bekommen haben?

Geschichten werden retrospektiv rationalisiert, soll heissen, wir erklären uns hinterher, warum es so kommen musste, wie es gekommen ist. Wir suchen und finden die Gründe für den Erfolg ebenso, wie für den Misserfolg. Wir finden sie immer. Darin ist das menschliche Gehirn unschlagbar. Wie war das bei der jungen Brasilianerin Pesce? Wir wissen es nicht, daher hier eine (realistische!?) Spekulation: Vielleicht war ein einflussreicher Entscheider der MIT-Auswahlkommission einmal in eine junge Südamerikanerin verliebt, und ihre Geschichte triggerte etwas in ihm, ohne dass er sich dessen bewusst war. Vielleicht saß sie zufällig bei einem Besuch eines Microsoft-Directors neben ihm bei einem Dinner mit Nachwuchsstudenten und hat genau ein Thema angesprochen, dass ihn interessiert. Vielleicht ist ihr Erfolgsweg gepflastert mit glücklichen Zufällen? NEIN! Nicht VIELLEICHT, ganz sicher! Wenn Du nun denkst “Hier spricht der Neid aus ihm.”; ich kann es dir nicht verübeln.

Aber ich denke und sage nicht, es waren nur glückliche Zufälle. Sie hat mit Sicherheit hart gearbeitet, ist intelligent, sozial kompetent und charmant. Das Problem ist die kausale Verknüpfung (unbewusst und beiläufig) zwischen dem Handeln (befolge die “fünf, sieben oder zwölf goldenen Regeln) und dem Erfolg. Nicholas Taleb, der Erfolgsautor des Buchs “Der schwarze Schwan” nennt das “narrative fallacy”, unseren problematischen Hang dazu alles erklären zu wollen. Genau genommen ist dieses Richtung der Ableitung harmlos. Ihre Umkehrung jedoch nicht! Was passiert denn mit den Millionen anderen “Glücksjägern”, die hart arbeiten, ausdauernd, intelligent, sozial kompetent und charmant sind und die logischerweise nicht alle eine solche Glückssträhne haben? (Es muss sogar eine Person geben, die bei allen Vorhaben eine Pechsträhne hat. Ich mache hier eine Schreibpause und gedenke ihrer…denn sie oder er ist die wahre Heldin, der wahre Held). Tragisch wird es, wenn es zu der Ableitung kommt: Ich bin nicht super-erfolgreich, also habe ich nicht hart genug gearbeitet, bin nicht intelligent, kompetent, sozial oder charmant genug. Dann ist die Depression vorprogrammiert und führte schon bei einigen Menschen bis hin zum Selbstmord.

Eine Frage, welche mich seit Jahrzehnten begleitet ist: “Wie kommt das Neue in die Welt?”. Ich habe immer noch nicht auch nur einen Ansatz für eine gute Antwort. Aber eines kann ich mit Sicherheit sagen: Das Neue bedingt das Scheitern. Alles Neue steht auf einem “Scheiter”-Haufen der vergeblichen Versuche, der fehlenden Finanzmittel, der verkannten Genies, der Ideen zur falschen Zeit oder am falschen Ort, der fehlenden Kontakte und der gestohlenen Kopien.

Doch was wäre der Heldenmythos ohne diese Niederlagen! Ich fordere daher eine Gedenktag für alle die gescheiterten Versuche der Menschen, welche vor Ideen sprühen, Künstler, Musiker, Unternehmer! Die machmal sogar um die Möglichkeit des Scheiterns – das Große Risiko – wussten, es meistens aus unverbesserlichem Optimismus und Enthusiasmus ignorierten und trotzdem losgegangen sind.

Ich wünsche dir heute, dass Du all das, wo Du fehl gegangen bist als das siehst, was es wirklich ist: Der Boden und der Dünger auf dem das Neue in die Welt kommt und gedeiht. Möge Joe mit dir sein :-)

Liebe und Licht

 

 

 

P.S: und Du bist nicht allein - https://www.facebook.com/FUNCologneGermany

Über Mythen: Wir lieben Geschichten. Damit diese verrückte Welt für uns erklärbar wird, müssen wir das, was wir selbst erleben oder über andere erfahren in eine Geschichte packen. So funktioniert unser Gehirn. Wir schaffen Mythen. Das Wort Mythos wird heute häufig in Zusammenhang mit unwahren Geschichten gebraucht, aber die ursprüngliche Bedeutung des Wortes Mythos deutet auf eine universale Geschichte, mit der wir unser menschliches Dasein, unsere Eigenart, unser menschliches Wesen beschreiben. (Im weiteren Sinne beschreibt ein Mythos das Wesentliche eines Phänomens, ganz gleich, ob es sich um etwas natürliches oder abstraktes, oder etwas göttliches handelt). Einer der universalsten Mythen ist der Heldenmythos: Der Held ist zu Beginn ein einfacher Mensch, doch er wird vor eine große Aufgabe gestellt. Zu Beginn ist er voller Enthusiasmus und Entschlossenheit, doch im Laufe der Geschichte wird sein Mut, seine Ausdauer und sein Mitgefühl auf eine harte Probe gestellt. Er gerät an seine Grenzen, das Glück wendet sich von ihm ab (scheinbar), er ist alleine, verzweifelt, will aufgeben. Und dann kommt dieser Moment, in dem  er dennoch nicht aufgibt, einfach weitermacht. Es ist dieser Moment, der ihn zum Helden macht. Und siehe da, wie durch ein Wunder scheinen die Götter sich nun auf seine Seite zu schlagen und er vollbringt das scheinbar Unmögliche. Der Heldenmythos wurde intensiv von dem Philosophen Joe Campbell untersucht, und Du kannst den Heldenmythos in fast jedem Hollywood-Film wiederfinden.

Sonntag, 2.August 2015
von Sunshine
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Heute hitzefrei …

Der Wettergott ist gnädig und scheint uns doch noch einen schönen Sommer zu bescheren. Deshalb nutze ich die Gelegenheit mit dem Zelt auf Tour zu gehen und mich weiterzubilden, Freunde zu besuchen und einfach den Sommer gemeinsam mit Ulli zu genießen.

Der Blog-Beitrag ist darum heute sehr kurz, da es gleich losgeht. Reisefieber und Vorfreude kommt auf. :-)

Und damit es nicht ganz zu ungewohnt für Euch liebe Leserinen und Leser ist, noch ein kleines Haiku:

Die weißen Lotos

Nur wie ein Schattenspeil noch

Im Schein des Mondes.

(Sengyo)

Om Shanti. Om Frieden.
Ines :-)

 

 

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