Martin Neumann's Blog

Chaos in Laos, oder der ganz normale Wahnsinn …

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Seit Montag hat mich der Arbeitsalltag wieder und ich muss sagen, dass mir die Rückkehr diesmal sehr schwer gefallen ist. Zwei Wochen auf dem Wasser haben mich komplett entschleunigt und die große Hektik in einem 80 Personen starken Großraumbüro (wer hat sich nur so etwas einfallen lassen), waren eine totale Überforderung. Am liebsten hätte ich mir nur die Ohren zugehalten und laut gerufen, dass jetzt einmal Ruhe sein soll. Chaos in Laos in meinem Kopf.

Ich merkte, wie sich zunehmend in mir Wut aufbaute. Wut auf diesen ganzen Apparat, rücksichtslose Kollegen, oberflächliche Gespräche und so weiter. Was also tun?

Ich erinnerte mich daran, dass ich die Möglichkeit habe, bewusst aus diesen Situationen auszusteigen. Die Rheinaue liegt direkt vor der Haustür und so nutze ich dann oft nach dem Mittagessen die Gelegenheit noch eine Runde zu drehen und den Kopf zu lüften. Das ist so eine Art “Reset”-Knopf. Danach kann ich dann schon wieder konzentrierter arbeiten. Oder ich setze mir kleine Anker an meinen Arbeitsplatz, zum Beispiel die Grinsekatze, die ich von Freunden geschenkt bekommen habe, um mich wieder mit mir selbst zu verbinden und ganz im Moment zu sein. Oder ich komme mit fremden Menschen ins Gespräch, wie diese Woche in der Oper geschehen. Oder ich mache der Kassiererin an der Kasse ein Kompliment, weil mir ihre Hennabemalung am Arm sehr gut gefällt. Oder ich frage meinen Radiologen nach seinen Urlaubserlebnissen, von denen er berichtet und mir nachher erleichtert die Diagnose mitteilt, dass meine Mammographie in Ordnung ist (das sah vor 2 Jahren anders aus). Entspannntes Lachen auf beiden Seiten war jedes Mal mein Geschenk.

Der ganz normale Wahnsinn verliert dann seinen Schrecken und wird auf ein normales, erträgliches Maß eingedampft. Vielleicht muss das Chaos sein, damit du dich wieder ganz bewusst an die Struktur erinnern kannst. Oder wie auch der Chemiker und Dichter Roald Hoffmann über Schönheit sagte:

“Schönheit entsteht aus Spannungen: zwischen Ordnung und Unordnung, zwischen einfach und kompliziert.” 

(Quelle: Stefan Klein, Wir alle sind Sternenstaub – Gespräche mit Wissenschaftlern über die Rätsel unserer Existenz, 4. Auflage: Juni 2014)

Was ist wohl mein Wunsch für diesen Sonntag? Einsicht, dass ich Dinge nicht ändern kann, die ich sofort ändern möchte? Akzeptanz des Gegenwärtigen? Liebevolles Umgehen mit mir selbst und die liebevolle Annahme meiner kleinen Macken?

So gefühlt wünsche ich mir Langmut. Langmut mit mir selbst und den Anderen. Dann herrscht Schönheit im ganz normalen Wahnsinn, beziehungsweise in der vollen Katastrophe und das Leben wird leicht, trotz Chaos in Laos.

Om Shanti. Om Frieden.
Ines :-)

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