Martin Neumann's Blog

It’s not the speed that kills you…

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…it’s the sudden stop.

Am Sonntag Abend kam ich zu einer Unfallstelle. Ich war selbst nicht Zeuge des Hergangs, aber er hatte sich ungefähr 30 Sekunden vor meinem Eintreffen ereignet. Zwei Autos waren auf einer Schnellstraße frontal zusammen gestoßen. Zwei Wagen vor mir hielten mit angeschaltetem Warnblinker. Ich stieg aus und ging zur Unfallstelle. Vielleicht könnte ich helfen. Ein Mann und eine Frau stiegen aus dem einen Auto und konnten beide noch humpelnd gehen, unterstützt von anderen Menschen. Die Frau war bleich und stand unter Schock. Ich holte eine Isomatte aus meinem Auto so das wir sie hinlegen konnten. Ich hielt ihre Hand und sie klammerte sich an meine. Eine andere Frau hielt ihre Hand und wir beruhigten sie. Es tat ihr offensichtlich gut, dass wir da waren.

Ich sah, dass fünf weitere Helfer versuchten, die Fahrertür des anderen Wagens zu öffnen. Mit zunehmender Gewalt aber vergeblich. Ein Babysitz fiel aus dem Auto auf die Straße. Er war leer. Ich ging hin um zu helfen, sofern dies möglich war. Es bedurfte einer inneren Anstrengung dort hinzugehen. In dem Wagen saß ein junger Mann. Er war eingequetscht zwischen Konsole und Sitz. Sein Kopf hing leblos zur Seite. Auf eine eigenartige Weise wirkte es friedlich so als schliefe er. Ich betete für ihn, für seine Familie, für uns. Der erste Rettungswagen traf ein. Ich winkte ihn heran. Da ich an dieser Stelle nichts mehr tun könnte ging ich zurück zur Frau. In kurzer Folge trafen immer mehr Rettingskräfte ein. Die Szene verwandelt sich und hatte plötzlich etwas Kirmesartig hektisches. Zwei Retter diskutierten kurz darüber wer welche Person mitnimmt. Die Frau lag derweil alleine am Boden auf einer Bahre. Sie fing an zu zittern. Wie wichtig es doch ist, ihre Hand zu halten, dachte ich, doch dann wurde sie bereits angehoben und in einen der Rettungswagen gebracht. Auch nach nun mehr als 20 Minuten seit dem Unfall versuchte die Feuerwehr weiterhin den Mann aus dem Auto zu befreien. Ich verließ den Ort.

Es ist nicht nicht das erste Mal, dass ich an eine Unfallstelle gekommen bin. Aber das erste Mal, dass ich einen Unfalltoten gesehen habe. Der Tod trifft mich. Er macht mir klar, dass es jeden Moment vorbei sein kann. Wir können die Augen wieder woanders hin richten und weiter machen. Und genau das ist es, was wir tun müssen. Weiter gehen. Im Gewahrsein, wie wichtig es ist aufzuwachen. Aufzuwachen, bevor wir endgültig den letzten Schlaf beginnen. 

Liebe & Licht

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