Martin Neumann's Blog

Tagebuch eines Erfinders – der lange Weg zurück

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Als ich es endlich geschafft hatte, universe2go nach 2 langen Jahren sehr, sehr harter Arbeit endlich auf den Markt zu bringen habe ich wirklich ganz fest daran geglaubt, endlich aus Ziel gekommen zu sein. Es “geschafft” zu haben. Das war vor 18 Monaten.

Ich bin immer noch sehr glücklich darüber, aber auch ernüchtert. Keine Pauken und Trompeten, kein Haleluja, kein großes Schulterklopfen, kein “jetzt mal die Füße hochlegen”. Stattdessen immer wieder neue Aufgaben, die bewältigt werden wollen. Produktionsprobleme, Verbesserungen, Finanzierungs-Kredite zurückzahlen (tatsächlich zahle ich diesen Monat die letzte Rate…).

Ich habe etwas wichtiges gelernt: Erfolgreich zu sein ist Einstellungssache. Nein, jetzt nicht, was Du vielleicht denkst: “Glaube nur ganz fest an dich und deinen Erfolg, dann wird er schon kommen.” Das ist zwar nett als Aufputscher-Slogan für die Ameriko-philen unter uns (mich eingeschlossen ;-) , aber ziemlich irrelevant.

Ich meine: Ab wann bist Du erfolgreich mit einer Sache? Nehmen wir zum Beispiel universe2go (wie komme ich nur gerade da drauf?)

Bist Du erfolgreich, 

…wenn Du die Idee das erste Mal ausprobierst und sie funktioniert? 

… wenn Du den ersten Prototypen gebaut hast?

… wenn Du es erfolgreich beim Patentamt eingereicht hast?

… wenn Du einen Produktionspartner gefunden hast?

… wenn Du eine erfolreiche Crowd-Funding Kampagne gemacht hast?

… wenn Du einen Vertriebspartner gefunden hast?

… wenn Du die Finanzmittel für die Entwicklung und Produktion aufgebracht hast?

… wenn die erste Produktion läuft?

… wenn das erste Gerät verkauft wurde?

… wenn es gute Kritiken bei Bloggern und von Zeitschriften bekommt?

… wenn Du genug Geräte verkauft hast, um die externen Ausgaben für die Entwicklung zu decken? (Sprich, dass Du das erste Mal aus dem Minus rauskommst…)

… wenn Du genug Geräte verkauft hast, damit deine investierte Arbeitszeit damit entlohnt wird? (Wochenende und Nachtarbeit nicht mitgerechnet)

… wenn Du genug Geräte verkauft hast, um das Geschäftrisiko zu kompensieren? (über 90% aller Startups scheitern)

… wenn Du genug Geräte verkauft hast, um die Opportunitätskosten zu kompensieren? (Du hättest in dieser Zeit ja auch was sinnvolles – äh wollte sagen – was lukratives ;-) – tun können)

… wenn Du genug Gerät verkauft hast, dass es auch ökonomisch betrachtet als erfolgreich gelten kann?

… wenn Du deinen Lebensunterhalt davon bestreiten kannst?

… wenn Du reich damit wirst?

… wenn deine Mama stolz auf dich ist?

So viele Aspekte und jeder davon hat einen legitimen Anspruch darauf als “Erfolgsdefinition” oder “Meilenstein” zu gelten. Und eine Flasche Schampus darüber zu öffnen – aber keine Angst, habe nicht bei jedem eine aufgemacht, aber noch ein paar kalt stehen  ;-)

Das hat der Erfolg mit der Dankbarkeit gemeinsam: Erfolg ist das, was Du in dir spürst. Spürst Du ihn nicht, nützt er dir nicht. Kann dir sogar schaden, wenn Du dich vom Erfolg im Außen abhängig machst.

Ich wollte schon als kleiner Junge gerne Erfinder sein. Hatte mich verlaufen und es war ein weiter Weg zurück. Er hat sich gelohnt.


Erfinder

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