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Die Zukunft des Buches

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Seit 10 Jahren beschäftige ich mich nun mit eReadern – elektronischen Lesegeräten, die das Papier als Lesemedium ablösen sollen. Jedes mal, wenn ich von diesem Thema in meinem Bekanntenkreis anfange, fangen wir an über „das Ding“ zu reden. Das Ding ist der eReader. Seine Funktionen, seine Haptik, sein Geruch, seine Praktikabilität, seine Lesbarkeit bei Kerzen- und bei Sonnenlicht, sein Gewicht, seine Haltbarkeit und, und und…

Ganz ehrlich? Ich bin überzeugt, dass diese Aspekte zwar nicht unwichtig aber letztlich bedeutungslos sind. Was wirklich zählt für mich ist die Interaktion der Menschen, als Individuen, als soziale Gemeinschaft, als Arbeitnehmer, als Eltern, als Unternehmer mit dieser neuen Technologie.

Wir bestimmen mit unseren Fähigkeiten und Vorlieben den Weg, den diese Technologie nehmen wird. Die Technologie bestimmt mit ihren Funktionalitäten und Grenzen den Weg, den unsere Vorlieben und Fähigkeiten nehmen werden. Kein Henne und Ei-Problem sondern nicht-lineare Wechselwirkung.

Was ist die grösste Umwälzung, die eBooks in unserer Zeit auslösen werden?

Das papierlose Büro? Die Rettung des Waldes? Augenprobleme? Oberflächliches Lesen? Das Aussterben der Buchliebhaber?

Alles weit gefehlt!

Es zeichnet sich ab, das die grösste Revolution an anderer Stelle stattfinden wird: bei der Erstellung und Vermarktung von Büchern. Wir werden alle zu potentiellen Autoren. Jeder von uns.

Heute ist es fast so einfach ein Buch zu veröffentlichen, wie bei Facebook ein Bild hochzuladen. Dies wird die Spielregeln des Marktes komplett neu definieren. Dieser Multi-Milliarden-Euro-Markt wird in den nächsten fünf bis zehn Jahren eine massive Transformation erfahren.

Das Verlagswesen wird stürmische Zeiten erleben. Wo wird ihr Platz sein, zwischen den Autoren und den Verkaufsplattformen? Schon spannen sie populäre Personen wie Ranga Yogeshwar dafür ein, die Politik um rechtliche Schutzzäune zu bitten. Ein bekanntes Muster: Protektionismus scheint einfacher als Kreativität. Letztere ist so schrecklich unberechenbar.

Autoren werden zu Unternehmern. Statt Auftragsabarbeiterin Dienste der großen Verlage oder Liebhaber ihrer eigenen Ideen zu sein, dürfen sie sich nun mit Themen auseinandersetzen wie: Wie erreiche ich meine Zielgruppe? Wie verpacke ich die Geschichte am besten? Wer überprüft die Qualität meines Produkts? Wie vermarkte ich es?

Leser werden zu Mitwirkenden. Über das Teilen von Bucheindrücken über Social Media, Bewertung von Werken über Schwarmintelligenz, im direkten Dialog mit dem Lieblingsautor, auf der Suche nach den Perlen in der Flut der Publikationen wird die Rolle des Leser viel aktiver werden in Zukunft. Genau wie beim Web 2.0 wird die aktive Gruppe zunächst nur klein sein. Die Mehrheit konsumiert. Aber auch der Buchmarkt wird analog zu Wikipedia, Youtube und Facebook erfahren, wie gigantisch das kreative Potential der Masse ist.

Es ist einfach, technische Entwicklungen vorherzusagen. Der Siegeszug der eBooks ist nicht mehr aufzuhalten. Obwohl der Marktanteil in Deutschland bisher nur ca. 1% beträgt, wird er in 3-5 Jahren über 50% sein. Spannend sind die Änderungen die diese technischen Entwicklungen im Markt, in unserer Kultur, in unserem Denken auslösen.

Und DARAUF bin ich sehr gespannt. Welches Thema interessiert Euch so brennend, dass ihr über dessen Zukunft spekuliert? Ich wünsche Euch heute ein genug Müßiggang um über eure Lieblingsthemen nachzudenken.

Liebe & Licht
Martin

2 Kommentare

  1. Ich habe auch einen elektronischen Book Reader und kaufe gleichzeitig hin und wieder ein herkömmliches Buch. Einerseits bin ich fasziniert von den neuen Medien und Möglichkeiten, die sie eröffnen, andererseits wünsche ich mir manchmal die alten Zeiten zurück: da hatte Geschriebenes noch Qualität und Wert. Heute werden wir überflutet von Möchte-Gern-Autoren und deren manchmal wenig geistreichen Ergüssen. Schaffen wir wirklich Neues und Innovatives oder nutzen wir die Schwarmintelligenz nicht wirklich und produzieren nur Banales und Überflüssiges? Das muss jeder für sich beurteilen. Ich bin jedenfalls (noch) hin- und hergerissen, wie ich das finden soll…

    • Nun ja, da ich ja keinen Verlag überzeugen konnte, mein Buch zu verlegen, zähle ich wahrscheinlich zu den Möchtegern-Autoren…
      (ich kenne mindestens eine Übersetzung eines amerikanischen Buches, die absolut furchtbar ist, daher weiss ich, dass selbst renommierte Verlage Mist produzieren, aber normalerweise produzieren Verlage gute Qualität, da gebe ich dir Recht. Und meinem Buch hätte ein professioneller Lektor sehr gut getan…)

      Aber wenn ich so darüber nachdenke:

      Meine Lieblingssängerin veröffentlicht bei Youtube und unter eigener Regie in iTunes. Meine Informationen bekomme ich mittlerweile zu 90% von Twitter und aus Blogs. Die „Zeit“ ist mir zu tendenziös. Wer sagt, was gut und was schlecht ist? Meine Söhne gucken bei Youtube meistens grossen Mist. Aber ein paar Sachen davon finde auch ich cool. Ist „der Mist“ wirklich ein solcher oder nur meine Ansicht? Ich will hier nicht der Beliebigkeit huldigen. .. Das meiste Material bei Youtube halten die meisten Menschen wahrscheinlich für Mist. Das gleiche wird unzweifelhaft bei den Büchern auch passieren. Aber es wird auch viel mehr tolle Bücher geben, die an den Lektoren gescheitert wären und über die wir ohne eBooks nie erfahren würden. Daran kann es keinen Zweifel geben!
      Wie finden zukünftig gute Bücher?
      Der Masse folgen? Esst Sch… , Millionen von Fliegen können nicht irren!
      Durch literarische Zirkel? Wer liest schon wirklich gerne Grass (und wer traut ihm noch…)?

      Das meine ich mit den Veränderungen durch eBooks. Spannend und verwirrend.

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