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Ich bin nicht mein Verstand.

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Persönlichkeitsentwicklung, IQ, Erfolg

Ich bin nicht mein Verstand. Genau so wenig, wie ich mein Körper bin.

Als Kind fand ich es unglaublich ungerecht, dass scheinbar nur körperliche Leistung offen im Wettbewerb verglichen werde durfte. Das klingt erklärungsbedürftig. Im sportlichen Wettkampf testen wir unsere Stärke, Ausdauer, Konzentration und Willenskraft. Es ist nicht verpönt, sondern eher im Gegenteil sehr angesehen, seine Leistungen öffentlich kund zu tun. Es kulminiert in der Bewunderung und Huldigung der SportlerInnen bei Olympia.

Ganz anders ist es bei der geistigen Leistung, welche ja auch eine körperliche Leistung ist. Zwar gibt es den Drang, sich in dieser Disziplin zu messen. Es gibt Schachweltmeisterschaftenl, Mensa-Clubs und den Nobelpreis, aber das ist nicht das gleiche. Schach ist sehr speziell, Mensa sehr elitär, und die Vergabe des Nobelpreises erfolgt keinesfalls nach objektiven Kriterien.

Es ist vollkommen okay, wenn ein Schüler demonstriert, dass er schneller läuft, schwimmt, oder besser den Ball wirft, als sein Sportlehrer. Aber keinesfalls sollte er demonstrieren, dass er intelligenter als seine Lehrer ist. Das ist eine Quelle großer Frustration. Auf einer Party darfst Du gerne erzählen, dass Du bei Olympia teilgenommen hast, aber brüste Dich mal damit, dass Du immer eine Eins in Mathe hattest und einen IQ über 130 hast. Viel Spass, Du Party-König ;-)!

Lange, lange Jahre habe ich diese gefühlte Ungerechtigkeit mit Hochmut beantwortet. Doch Hochmut ist auch nur eine Form des Mangels. Mangel an Anerkennung. Und ich kann nicht sagen, dass ich ganz davon geheilt bin. Aber ich bin froher Hoffnung. Mir hat es sehr geholfen, zu erkennen, dass ich nicht mein Verstand bin. Mein Verstand ist ein tolles Werkzeug. Meine Beine bringen mich von A nach B. Meine Verstand löst intellektuelle Probleme für mich. Aber genauso wenig wie Hussein Bolt seine Beine ist, bin ich mein Verstand. Deshalb brauche ich auch nicht hochmütig sein, sondern bin einfach dankbar dafür (und ein bisschen stolz), dass er so gut funktioniert.

Das klingt banal, ist es aber in unserer Kultur nicht. Der Verstand war seit den Griechen einfach zu erfolgreich und hat die Kontrolle an sich gerissen. Mir persönlich hat mein Verstand beruflich großen Erfolg gebracht und er erlaubt es mir, ein materiell sorgenfreies Leben zu führen. Mich glücklich machen kann er aber nicht. Mir einen Sinn geben kann er aber nicht. Mir das richtige Ziel setzen kann er aber nicht. Mir Verbundenheit mit anderen Menschen geben kann er aber nicht.

Meditation ist ein guter Weg, sich von der Identifikation mit seinem Verstand zu lösen. Die Erfahrung, dass es Bewusstsein ohne Gedanken und Worte geben kann, ist zunächst irritierend aber dann großartig.

Erkennst Du, warum die öffentliche Zur-Schau-Stellung der Verstandesleistung verpönt ist? Warum der Verstand nicht als Attribut, sondern als Kern unserer Existenz wahrgenommen wird?

Ich wünsche Dir heute, dass Du eine Entspannungsübung machst oder erlernst, die es Dir erlaubt, deinen Verstand zum Schweigen zu bringen, und Du so die Einzigartigkeit deines Seins spüren kannst.

Liebe & Licht
Martin

2 Kommentare

  1. Verstand kann anstrengend sein und ausschalten können wir ihn alle nicht. M.E. ist die Reflektion des Wirkens unseres Verstandes enorm wichtig. Das bringt manchmal den richtigen Blick von der Seitenlinie. Meditation ist da bestimmt das richtige….

    • Ja, abschalten lässt sich der Verstand nicht. Die Beine lassen sich ja auch nicht abnehmen. (ich weiss, der Vergleich hinkt 😉
      Aber erst einmal darauf zu kommen, dass man sich der Aktivität seines Verstandes bewusst werden kann, war für mich schon eine große Hürde.

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