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The Book – Alan Watts

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Neben den Sternsagen möchte ich noch etwas anderes beginnen. Von Zeit zu Zeit werde ich über Bücher reflektieren, die mir viel bedeuten. Den Anfang macht „The Book – On the taboo against knowing who you are“.

Die zentrale Idee des Buches ist, dass wir uns zwar als getrennte Wesen wahrnehmen, aber das die Idee des „vom Universums getrennt Seins“ bei genauerer Betrachtung unhaltbar ist.

Wir glauben,ein kurzes Licht zu sein, welches ein einziges Mal in Äonen aufflackert, ein komplizierter und sehr feiner Organismus auf der Spitze der Evolution, in welcher das Leben sich ergiesst in individuellen, spritzigen und farbenfrohen Tropfen, welche kurz aufglühen, um dann für immer zu vergehen.“

Das an sich ist zwar die Grundlage unserer Verwirrung, aber noch nicht das eigentliche Problem. Unser Kardinalproblem ist, dass wir uns mit unserem Ego identifizieren, welches glaubt, sich selbst ändern zu können.

„Du kannst einem Ego nichts anderes beibringen, als ego-zentriert zu sein, obwohl Egos die feinsinnigsten Wege ersonnen haben, so zu tun, als könnten sie sich reformieren.“

Ganz besonders problematisch wird es, wenn dein Ego sich für UBER-schlau hält und diese Hypothese dazu benutzt, sich für „erleuchteter“ als andere Egos zu halten. Das nennt Alan Watts „spiritual pride“ – spirituellen Hochmut und ich habe den Eindruck, dass man diesem sehr häufig begegnet.

„Auch wenn Du hinter die Illusion des Ichs schaust, ist es unmöglich zu denken, dass Du besser als andere bist, weil Du dahinter geschaut hast. … Vögel sind nicht besser als die Eier, aus denen sie geschlüpft sind. Man könnte sogar sagen, dass Vögel nur eine geschickte Methode der Eier sind, neue Eier hervorzubringen. Das Ei ist das Ego, der Vogel das befreite Selbst.“.

Aber Ei und Vogel sind eins. Es ist nicht das ultimative Ziel des Ei’s ein Vogel zu werden und auch nicht das ultimative Ziel des Vogel, Eier zu legen. Sie als getrennt zu betrachten, ist schon DAS Problem an sich. Alles, der ganze Kosmos ist Bestandteil des ewigen Spiels und auf eine paradoxe gleichzeitig sich ewig wandelnd UND unveränderlich.

„Veränderung ist in einer gewissen Art eine Illusion, weil wir bereits an dem Punkt sind, an den uns jede beliebige Zukunft bringen könnte.“

Betrachten wir unseren Körper. Er scheint konstant und unser selbst mit ihm kontinuierlich. Und doch wissen wir längst, dass (fast) alle Zellen unseres Körpers ständig werden und vergehen. Das Universum wird bestimmt von unveränderlichen Gesetzen und offensichtlich dem Zufall. Dieses Spiel von Ordnung gegen Chaos befindet sich in einem dynamischen Gleichgewicht. Dem Ego bereitet das Angst. Es sucht nach Kontrolle. Aber die Kontrolle darf nicht siegen, weil dann das ganze Spiel vollkommen sinnlos ist. Würden Schachspieler ein Spiel beginnen, wenn bereits alle Züge im voraus bekannt wären?

Die meisten von uns betrachten die biologische Evolution und die technische Weiterentwicklung als Fortschritt, als einen Schritt hin zu einem Ziel. Für Alan Watts ist das kosmische Spiel aber keine Fahrt von A nach B, sondern ein Tanz. Wir tanzen nicht, um irgendwo hinzukommen, sondern um der Freude am Tanzen willens.

„Die Frage ist also, ob uns unser technischer Fortschritt tatsächlich „irgendwo hinbringt“ in dem Sinne, dass er die Freude und das Glück in unserem Leben steigert.“

Weil wir denken, wir befänden uns ausserhalb der Natur, versuchen wir sie zu „erobern“, sie zu „meistern“, sie zu „beherrschen“, sie uns „Untertan zu machen“. (Unsere Sprache ist voll davon…) und das macht uns alle zu kleinen Dr. Jekylls and Mr. Hydes.

„Der selbst-bewußte Rückkopplungsmechanismus in unserem Kortex erlaubt uns die Illusion, dass wir zwei Seelen in einer Brust haben. Eine rationale und eine tierische Seele, einen Reiter und ein Pferd, ein guter Geist mit besseren Instinkten und feineren Gefühlen und ein Schurke mit ungezügelter Lust und ungeregelten Leidenschaften. Daher die wunderlich wirkende Hypokrise von Schuld und Reue und die fürchterlichen Grausamkeiten von Strafe, Krieg und mitunter Selbst-Geißelung im Namen der guten Seele im Kampf gegen das Böse. Je mehr sie sich mit sich selbst verbindet, umso mehr enthüllt sich der guten Seele ihr untrennbarer Schatten, und je mehr sie versucht ihn abzuschütteln, desto mehr wird sie zu ihm.“

Der einzige Weg aus diesem Irrsinn ist es zu akzeptieren, dass wir nicht getrennt sind.

„Wir kamen nicht in diese Welt. Wir kamen aus ihr heraus, so wie Blätter einem Baum entspringen. So wie der Ozean „wellt“, so „menschelt“ das Universum. Jedes Individuum ist ein Ausdruck der gesamten Natur, ein einzigartiger Ausdruck des gesamten Universums. Diese Tatsache wird selten, wenn überhaupt, von Individuen gespürt.“

Einzigartig, aber nicht getrennt.

„Der Punkt, welcher nicht oft genug wiederholt werden kann, ist, dass Differenzierung nicht Trennung ist.“

„Es gibt eine dritte Antwort. Nicht Rückzug [in die Mediation im Himalaya], nicht Kontrolle auf der Basis einer Belohnung in der Zukunft, sondern das vollständige Zusammenspiel mit der Welt, die aus einem harmonischen System von Konflikten besteht – basierend auf der Erkenntnis, dass das einzig reale „Ich“ dieser ganze, endlose Prozess ist.“

„Frieden kann nur von denen gemacht werden, die friedvoll sind, und Liebe kann nur von denen gezeigt werden, die lieben. Schuld, Angst und ein leeres Herz vermögen kein Werk der Liebe zu vollbringen, genauso wenig wie jene keine gültigen Pläne für die Zukunft entwerfen können, die nicht gelernt haben im Hier und Jetzt zu leben.“

„In dem Moment, wenn es scheint, dass wir wirklich ein Zombie werden [weil wir keine Macht über unser eigenes Denken haben], löst sich das Ganze in Luft auf. Denn es gibt kein Schicksal, es sei denn, es gibt jemanden oder etwas, das durch das Schicksal gemacht wird. Es gibt keine Falle, ohne das es jemanden gibt, der in die Falle gehen könnte. Es gibt keine Zwanghaftigkeit, ohne dass es auch eine Freiheit der Wahl gäbe, denn der Eindruck etwas unwillentlich zu machen, kann nur wahrgenommen werden im Gegensatz dazu, etwas willentlich zumachen. Daher ist die Linie zwischen mir selbst und dem was mir widerfährt aufgelöst. Es gibt keine Rückzugsmöglichkeit mehr für das Ego, nicht mal als passiver Beobachter. Das, was passiert ist weder automatisch noch zufällig: es passiert einfach und alles „Passieren“ ist abhängig voneinander in einer Art und Weise die unglaublich harmonisch wirkt. Jedes „Dies“ interagiert mit jedem „Das“. Ohne Andere gibt es kein Selbst, and ohne „Woanders“ gibt es kein „Hier“. Und in diesem Sinne ist „Selbst gleich Andere“ und „Hier gleich Dort“.“

Liebe & Licht

 

 

 

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