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Die eigene Macht oder die andere Kraft? Warum oder?

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Um unsere Arbeit gut vollbringen zu können braucht es drei Dinge: Fähigkeit, Verantwortung und Kompetenz. Wir müssen die nötigen Fähigkeit für die Aufgabe besitzen, z.B. als Handwerker wissen, wie man einen Wasserhahn abschraubt. Das kann man lernen. Wir müssen auch die erforderliche Autorität oder Macht oder Kompetenz haben, zum Beispiel im Einkauf eine Bestellung aufgeben zu dürfen. Und wir müssen die Verantwortung für unser Handeln übernehmen, das heisst die Folgen des Handelns müssen uns direkt betreffen. (Ich versage mir hier in die Politik abzuschweifen, wo letzteres ja offensichtlich vollkommen fehlt).

Im Glauben an Gott ist die Sache etwas komplexer. Wir haben zwar hundert Prozent der Verantwortung, aber keine Kompetenz unser Leben segensreich zu machen. Die nötigen Fähigkeiten haben wir zwar, die sind unserem Verstand aber nicht direkt zugänglich. Wäre Gott ein Business, dann wären das verdammt schlechte Voraussetzungen für eine erfolgreiche Zusammenarbeit. Und doch sind wir aufgefordert das Richtige zu tun, ohne ERWARTEN zu dürfen, dass uns das Gute widerfährt. Es verlangt unseren ganzen Glauben, darauf zu VERTRAUEN, dass uns Gottes Segen jederzeit zuteil wird.

„Der geringste Zweifel wirft ein Kluft auf, wie zwischen Berg und Fluss.“ Sekito Kisen, Sandokai

Diese subtile Erkenntnis findet sich in fast allen Weltreligionen: zum Beispiel in der Bibel mit der Geschichte Hiobs oder in der Bhagavad Gita. Im Buddhismus gibt es sogar zwei Worte dafür. Jiriki und Tariki. Jiriki bedeutet „die eigene Stärke“ und steht für unser Bemühen, uns selbst, sozusagen aus eigener Kraft, durch unsere Taten und Gedanken zu transformieren. Tariki bedeutet „die andere Kraft“ und steht für die Gnade Gottes oder die Unterweisungen des Meisters. Dabei ist keiner der beiden Wege „besser“ als der andere.

Das klingt vielleicht sehr abstrakt ist aber wesentlich für unsere Sichtweise der Welt. Häufig findet man die Idee von Karma als Belohnung oder Bestrafung für die eigenen Taten. Das steht im krassen Widerspruch zu dem oben gesagten. Oder noch verbreiteter ist der populäre Glauben an erfolgreiche spirituelle Führer. Diese sind angeblich erfolgreich, wohlhabend, gesund, gut aussehend, strahlend oder besitzen die Fähigkeit sich selbst zu heilen, WEIL sie so gut ihre spirituelle Praxis praktiziert haben. Das steht auch in krassem Widerspruch zu dem oben gesagten. Würdest Du das Leben von hundert spirituellen Lehrer genau untersuchen, würdest Du auch viele schwere Schicksale finden. Das leuchtet den meisten Menschen ein und doch sehe ich wie verbreitet, der Glaube an den ERFOLGREICHEN Lehrer ist. Das ist an sich nicht schlecht, aber hüte dich vor der Erwartung, die das vor allem unbewusst in Dir pflanzt. Denn wenn Gott oder das Universum Dir dann den erwarteten Lohn für deine Mühen versagt, nagt das an deinem Glauben.

Wem diese Botschaft zu frustrierend ist, dem rate ich, seine spirituelle Praxis zu vertiefen. The only way is up.

Liebe & Licht
Martin

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